Sorgerecht, Umgangsrecht und Kindesunterhalt

1. Sorgerecht

  • Sorgerecht bei Trennung
  • Sorgerecht nicht miteinander verheirateter Eltern

2. Umgangsrecht

  • Zweck des Umgangsrechts
  • Fehlende Einigung über das Umgangsrecht

3. Kindesunterhalt

  • Wer ist unterhaltspflichtig
  • Höhe des Unterhalts
  • Anrechnung des Kindergeldes
  • Kindesunterhalt und Wechselmodell

Sorgerecht

Die elterliche Sorge ist die gemeinsame Pflicht und das Recht der Eltern, für ihre minderjährigen Kinder zu sorgen.

Ein gemeinsames Sorgerecht besteht, wenn

  • die Eltern im Zeitpunkt der Geburt des Kindes miteinander verheiratet sind,
  • wenn die Eltern nach der Geburt des Kindes einander heiraten
  • wenn die Eltern erklären, die gemeinsame Sorge ausüben zu wollen
  • wenn das Familiengericht den Eltern die gemeinsame Sorge überträgt

Sorgerecht bei Trennung oder Scheidung

Eine Trennung oder Scheidung führt nicht zur Beendigung des gemeinsamen Sorgerechts. Das Sorgerecht ändert sich jedoch hinsichtlich des Umfanges, wenn die Eltern nicht mehr im gleichen Haushalt leben.

Dann entscheidet der Elternteil allein, bei dem das Kind lebt. Lediglich in Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung ist es erforderlich, dass die Eltern sich einig sind.

Sorgerecht nicht miteinander verheirateter Eltern

Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet und haben die Eltern auch keine Sorgeerklärung abgegeben, so ist die Mutter des Kindes allein sorgeberechtigt.

Nach dem in Kraft treten der Reform zum Sorgerecht am 19.05.2013, kann der Vater auch gegen den Willen der Mutter einen Antrag auf gemeinsames Sorgerecht beim zuständigen Familiengericht stellen. Die Diskriminierung der unverheirateten Väter, welche ohne Zustimmung der Mutter vor der Sorgerechtsreform kein Sorgerecht für ihre Kinder erlangen konnten, hat nunmehr ein Ende gefunden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Vaterschaft feststeht und dass das gemeinsame Sorgerecht dem Kindeswohl entspricht.

Nach Antragstellung des Vaters hat die Mutter 6 Wochen Zeit um Gründe vorzutragen, die gegen das gemeinsame Sorgerecht sprechen. Gibt die Mutter keine Erklärung ab, wird angenommen, dass das gemeinsame Sorgerecht dem Kindeswohl entspricht.

Widerspricht die Mutter der gemeinsamen Sorge und begründet ihren Widerspruch, entscheidet das Familiengericht nach Anhörung der Eltern anhand der von den Eltern vorgebrachten Gründen, ob der Vater das Sorgerecht erhält.

Umgangsrecht

Wenn sich die Eltern trennen, verbleibt das gemeinsame  Kind häufig bei einem Elternteil. Es stellt sich dann die Frage, wie oft der andere Elternteil sein Kind nach der Trennung sehen darf oder soll.

Grundsätzlich hat das Kind ein Recht auf Umgang mit jedem Elternteil, unabhängig vom Sorgerecht.

Zweck des Umgangsrechts

Durch das Umgangsrecht soll nach einer Trennung der Eltern die Bindung zu beiden Elternteilen beibehalten werden. Dabei umfasst das Umgangsrecht nicht nur Umgangsbesuche, sondern auch Brief- und Telefonkontakt im angemessenen Umfang.

Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, soll sich von der körperlichen und geistigen Entwicklung des Kindes selbst überzeugen können und an der Versorgung, Betreuung und Erziehung des Kindes teilnehmen.

Fehlende Einigung über das Umgangsrecht

Können sich die Eltern nicht über das Umgangsrecht einigen, so entscheidet das zuständige Familiengericht nach Antragstellung des umgangsberechtigten Elternteils über Umfang und Ausübung des Umgangs.

WICHTIG: Maßgeblich ist hierbei das Kindeswohl.

Für das Umgangsrecht des leiblichen aber nicht rechtlichen Vaters kommt es jetzt nicht mehr darauf an, ob bereits eine enge Beziehung zum Kind besteht. Vielmehr ist entscheidend, ob der leibliche Vater durch sein Verhalten gezeigt hat, dass er tatsächlich Interesse an seinem Kind hat und ob der Umgang mit dem leiblichen Vater dem Kindeswohl dient.

In Ausnahmefällen kann das Umgangsrecht eingeschränkt oder sogar ganz ausgeschlossen werden.

Was tun, wenn der andere Elternteil das Umgangsrecht erschwert oder vereitelt?

Ist das Umgangsrecht bereits durch eine gerichtliche Entscheidung festgestellt, kann der umgangsberechtigte Elternteil, zum Zwecke der Vermittlung, einen Antrag beim Familiengericht stellen. Das Familiengericht soll darauf hinwirken, dass der Konflikt zwischen den Eltern beigelegt wird.

Kommt es zu keiner Einigung zwischen den Eltern, so hat das Gericht die Möglichkeit, Zwangsmittel zu verhängen, die Umgangsregelung zu ändern oder Maßnahmen in Bezug auf die elterliche Sorge zu ergreifen. Im Extremfall kann dem sorgeberechtigten Elternteil, der das Umgangsrecht nachhaltig vereitelt, die elterliche Sorge ganz oder zum Teil entzogen werden.

Kindesunterhalt

Nach § 1601 BGB sind Verwandte in gerader Linie verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren. Diese Vorschrift ist damit zentrale Norm für Unterhaltsansprüche der Kinder gegenüber ihren Eltern. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein eheliches oder um ein uneheliches Kind handelt.

Beim Kindesunterhalt wird zwischen Barunterhalt und Naturalunterhalt unterschieden. Naturalunterhalt oder auch Betreuungsunterhalt ist dabei jede Leistung, die nicht in Geld erbracht wird. Dies ist im Wesentlichen die Pflege und Erziehung minderjähriger Kinder.

HINWEIS: Barunterhalt wird in Form von Geld geleistet.

Wer ist unterhaltsverpflichtet?

Die Eltern gewähren dem Kind regelmäßig Naturalunterhalt, wenn dieses mit beiden Elternteilen in einem gemeinsamen Haushalt lebt.

Leben die Eltern eines minderjährigen Kindes getrennt und wohnt das Kind bei einem Elternteil, erfüllt der betreuende Elternteil seine Unterhaltspflicht in der Regel durch die Betreuungsleistung in vollem Umfang und ist nicht zur Erbringung von weiteren finanziellen Beiträgen verpflichtet.

Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, ist zum Barunterhalt verpflichtet.

Erreicht das Kind das 18. Lebensjahr, ist von beiden getrennt lebenden Eltern anteilig Barunterhalt zu leisten. Erbrachte Naturalleistungen können gegebenenfalls mit dem Unterhaltsanspruch verrechnet werden.

Bitte klicken Sie auf das Bild und erhalten sie im Video wertvolle Informationen zum Unterhalt bei volljährigen Kindern.

Volljährig - was ändert sich beim Unterhalt?

Wenn Ihr Teenager bei Ihnen lebt, bekommen Sie für seine Versorgung Unterhalt vom anderen Elternteil. Rechtlich ändert sich das mit seinem 18. Geburtstag. Ab der Volljährigkeit muss von beiden Eltern Unterhalt gezahlt werden. Wie rechnet man nun aus, wer wie viel schuldet und wie lange ist Unterhalt geschuldet? Sehen Sie in diesem Video, wie die Regel lautet.

Höhe des Unterhalts

Grundsätzlich richtet sich die Höhe des zu gewährenden Unterhalts nach der Lebensstellung des Bedürftigen. Da Kinder jedoch keine eigene Lebensstellung inne haben, richtet sich die Höhe des Unterhalts nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Eltern.

Der Bedarf von minderjährigen Kindern wird pauschal anhand der Düsseldorfer Tabelle 2018 und den Leitlinien der Oberlandesgerichte ermittelt. Die Düsseldorfer Tabelle ist nach Einkommens- und Altersgruppen gestaffelt. Zu beachten ist, dass die Düsseldorfer Tabelle darauf zugeschnitten ist, dass der Unterhaltspflichtige 2 Personen Unterhalt gewähren muss. Eine niedrigere bzw. höhere Anzahl an Unterhaltsberechtigten führt zur Höhergruppierung bzw. Herabgruppierung.

Anrechnung des Kindergeldes

Das Kindergeld steht jedem leiblichen Elternteil zu, wird jedoch bei getrennt lebenden Eltern an den Elternteil ausgezahlt, in dessen Haushalt das Kind lebt.

Da Zweck des Kindergeldes die Deckung des Barbedarfs des Kindes ist, mindert das Kindergeld hälftig den vom Unterhaltspflichtigen geschuldeten Barunterhalt.

Kindesunterhalt und Wechselmodell

Im Falle eines Wechselmodells haben beide Elternteile für den Barunterhalt einzustehen. Der Unterhaltsbedarf bemisst sich nach dem beiderseitigen Einkommen der Eltern und umfasst außerdem die infolge des Wechselmodells entstehenden Mehrkosten (z.B. Wohn- und Fahrtkosten).

Kontaktieren Sie mich bei Fragen zu Sorgerecht, Umgangsrecht oder Unterhalt.

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