Sorgerecht bei Trennung und Scheidung

Grundsätzlich gilt:

Die elterliche Sorge ist die gemeinsame Pflicht und das Recht der Eltern, für ihre minderjährigen Kinder zu sorgen. Ein gemeinsames Sorgerecht besteht, wenn die Eltern im Zeitpunkt der Geburt des Kindes miteinander verheiratet sind oder wenn die Eltern nach der Geburt des Kindes einander heiraten.

Ein gemeinsames Sorgerecht besteht ebenfalls, wenn die Eltern erklären, die gemeinsame Sorge ausüben zu wollen oder wenn das Familiengericht den Eltern die gemeinsame Sorge überträgt.

Was passiert bei Trennung oder Scheidung mit dem Gemeinsamen Sorgerecht

Gemeinsames Sorgerecht besteht trotz des Zerbrechens einer Partnerschaft.

Hinweis:

Eine Trennung oder Scheidung führt nicht zur Beendigung des gemeinsamen Sorgerechts! Denn die gemeinsame elterliche Sorge bedeutet, dass Sie trotz einer Scheidung Ihre Verantwortung als Eltern gemeinsam weitertragen werden und wichtige Erziehungsaufgaben auch weiterhin gemeinsam übernehmen wollen.

Das Sorgerecht ändert sich jedoch hinsichtlich des Umfanges, wenn die Eltern nicht mehr im gleichen Haushalt leben. Dann entscheidet allein der Elternteil, bei dem das Kind lebt.

Über Angelegenheiten des täglichen Lebens, wie Kleidung, kleinere Arztbesuche sowie die Erledigung der Hausaufgaben, entscheidet also der Elternteil, bei dem das Kind lebt. Lediglich in Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung ist es erforderlich, dass die Eltern sich einig sind.

Wichtige Entscheidungen, die das Kind betreffen sind zum Beispiel:

der Besuch des Kindergartens

die Wahl der Schule oder etwa

ein Schulwechsel

Dazu benötigt der Elternteil, bei dem das Kind vorwiegend lebt, die Zustimmung des anderen. Entscheidungen die für das Kind von erheblicher Bedeutung sind, werden also gemeinsam getroffen, auch nach einer Scheidung.

Personensorge und Vermögenssorge

Die elterliche Sorge beinhaltet sowohl die Sorge für das Kind, die Personensorge, als auch die Sorge für das Vermögen des Kindes, die Vermögenssorge.

Dabei umfasst die Personensorge die Verantwortung für Nahrung, Kleidung, Kindergartenbesuch, Schul- und Berufsausbildung, Erziehung sowie Aufenthalt und Umgang des Kindes.

Bei der Vermögenssorge sind die Eltern verpflichtet, die finanziellen Interessen des Kindes zu wahren, sein Vermögen zu erhalten und falls möglich zu vermehren.

Die gesetzliche Vertretung des Kindes ist ein weiterer Bestandteil der elterlichen Sorge. Die Klärung des Sorgerechts und eine friedliche Einigung der Eltern sind wichtig für die Erziehung und Entwicklung des Kindes.

Sorgerecht nicht miteinander verheirateter Eltern

Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet und haben die Eltern auch keine Sorgeerklärung abgegeben, so ist die Mutter des Kindes allein sorgeberechtigt.

Nach dem in Kraft treten der Reform zum Sorgerecht am 19.05.2013, kann der Vater auch gegen den Willen der Mutter einen Antrag auf gemeinsames Sorgerecht beim zuständigen Familiengericht stellen. Die Diskriminierung der unverheirateten Väter, welche ohne Zustimmung der Mutter vor der Sorgerechtsreform kein Sorgerecht für ihre Kinder erlangen konnten, hat nunmehr ein Ende gefunden.

Voraussetzung ist jedoch, dass die Vaterschaft feststeht und dass das gemeinsame Sorgerecht dem Kindeswohl entspricht.

Nach Antragstellung des Vaters hat die Mutter sechs Wochen Zeit um Gründe vorzutragen, die gegen das gemeinsame Sorgerecht sprechen. Gibt die Mutter keine Erklärung ab, wird angenommen, dass das gemeinsame Sorgerecht dem Kindeswohl entspricht. Widerspricht die Mutter der gemeinsamen Sorge und begründet ihren Widerspruch, entscheidet das Familiengericht nach Anhörung der Eltern anhand der von den Eltern vorgebrachten Gründe, ob der Vater das Sorgerecht erhält.

Wann entscheidet das Familiengericht über das Sorgerecht?

Sobald ein Elternteil für sich ein alleiniges Sorgerecht beantragt, entscheidet das Gericht über das Sorgerecht. Somit hat jeder Elternteil die Möglichkeit, bei anhaltenden Schwierigkeiten, einen Antrag auf alleinige Sorge zu stellen.

Wie die Entscheidung des Gerichts ausfällt, hängt davon ab, ob der andere Elternteil der Übertragung des Sorgerechts zustimmt oder nicht. Das Gericht überträgt das Sorgerecht auf den Antragsteller, sobald der andere Elternteil dem zustimmt. Sollte er dem nicht zustimmen, erhält der Antragsteller ein alleiniges Sorgerecht nur dann, wenn zu erwarten ist, dass die Aufhebung der gemeinsamen Sorge und die Übertragung auf nur einen Elternteil dem Kindeswohl am ehesten gerecht wird.

Achtung!

Mit der Ausnahme, das Kind ist über 14 Jahre alt und widerspricht der Übertragung des Sorgerechts auf den einen Elternteil.

Was genau bedeutet das alleinige Sorgerecht?

Ihnen wurde vom Familiengericht das alleinige Sorgerecht übertragen, oder Sie haben sich schon vorher gemeinsam für diese Sorgerechtsform entschieden, so sind Sie auch ganz alleine für alle Entscheidungen über die Personen- und Vermögenssorge Ihres Kindes verantwortlich.

Ist das der Fall, wohnt in der Regel Ihr Kind bei Ihnen und es wird von Ihnen versorgt, Sie kümmern sich also alleine um das Kindeswohl. Der andere Elternteil zahlt seinen Unterhaltsbeitrag für das Kind und hat das Umgangsrecht (das Recht und die Pflicht zum Umgang mit dem Kind).

Oftmals jedoch wird das alleinige Sorgerecht falsch verstanden. Dann wird es so ausgelegt, dass ein alleiniges Sorgerecht bedeute, dass man auch den Umgang des Kindes mit dem anderen Elternteil nach eigenen Vorstellungen regeln oder sogar unterbinden kann. Dies ist allerdings nicht korrekt. Denn das Recht auf Umgang mit seinem Kind hat auch der Elternteil, der nicht sorgeberechtigt ist.

Hier bei der Kanzlei Alznauer stehen wir Ihnen gerne zum Thema Sorgerecht beratend zur Seite. Vereinbaren Sie dazu einfach einen Termin mit uns, schriftlich per E-Mail oder auch telefonisch.

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